Tag der Befreiung in Gonfreville-l’Orcher

Zu Besuch auf dem Stadtfest in der Normandie

Wer über die Teltower Partnerstadt Gonfreville-l’Orcher in der Normandie mehr erfahren will, der muss zunächst ganz weit fahren. 1121 Kilometer trennen diese beiden Städte voneinander.  Der Einladung zum Stadtfest vom 5. bis 6. September 2026 folgten sieben Teltowerinnen und Teltower gerne. Herzlichen Dank der Verwaltung von Teltow für die Bereitstellung des Stadtfahrzeuges. Nach über 13 Stunden Fahrt war der Empfang durch die französischen Freunde herzlich und liebevoll. Küsschen links, Küsschen rechts. Darauf darf nicht verzichtet werden. „Ca va bien?“ gehört zur ersten Frage, die meistens mit „Bien et toi?“ beantwortet wird. Auch wenn die Abende sonst sehr lang werden, die Fahrt verlangte aber ihr Tribut. Gasteltern sammelten ihre Schützlinge ein und brachten sie in ihre privaten Unterkünfte.

Das Stadtfest vereinigte in der mit 8000 Einwohnern kleinen Stadt viele beheimatete Vereine und Organisationen. Der Bürgermeister Alban Bruneau (PCF) begrüßte alle recht herzlich und erwähnte auch die Gäste aus der Stadt Teltow. Ein Rundgang an den Ständen zeigte, dass auch hier viel für benachteiligte Familien getan wird. Ob Kunst, Kultur, Sport, Bildung oder nur ein Essen für alle, da gibt es noch eine Menge zu tun.

Für uns stand an dem Tag ein Besuch des Sainte-Marie-Tunnels auf dem Plan. Dieser 1895 erbaute Tunnel in Le Havre verband die Oberstadt mit der Unterstadt. In ihm fuhr einige Jahre eine Standseilbahn, die durch eine elektrische Straßenbahn ersetzt wurde. Mit erstaunen stellten die Gäste fest, dass der ausgestellte Bus sogar fuhr. Auch wenn es nur ein paar Meter waren, die Herzen schlugen jedenfalls vor Aufregung hoch, ob die Bremsen des 50 Jahre alten Fahrzeuges wirklich halten oder der Bus auf die davor liegende Straße rutscht. Aber alles ging gut. Der anschließende Gang durch den 250 Meter langen Tunnel war wie eine Zeitreise. Hatte doch die Wehrmacht diesen als geschütztes Lager im Krieg verwendet. Nur wenige Meter durften Franzosen zur eigenen Sicherheit nutzen. Einschusslöcher, Reste der Ausrüstung und Munition zeugten von dieser Zeit.

Schon ging es zu einem weiteren Höhepunkt des Tages: Der Besuch der Monet Ausstellung in der Hafenstadt. Aus Anlass des hundertsten Todestags von Claude Monet (Paris, 1840 – Giverny, 1926) präsentiert das Musée d’art moderne André Malraux – die MuMa einen beispiellosen Einblick in die Jugend des Malers durch die Ausstellung „Monet in Le Havre“. Der Maler verbrachte viele Jahre in Le Havre (1845 – 1874) und fand hier die Ruhe für seine impressionistische Malerei. Über 100 Originale waren an die wunderbar hellen Wände des MuMa ausgestellt. Wie wunderbar war es nun auch noch, dass der Besuchstag einen kostenfreien Eintritt erlaubte.

Das sollte jedoch noch nicht der Abschluss des Tages sein. Die Gastgeber luden uns in ein Restaurant ein, welches die Küchen der Welt repräsentierte. L’Horizon, so der Name, öffnete Horizonte des Geschmacks. Allein die Menge der angebotenen Speisen war beeindruckend. Dankeschön für diesen großartigen Abend.

68 Jahre nach der Befreiung der Stadt Gonfreville von der faschistischen Herrschaft über Frankreich gedachten wir mit Bürgern der Stadt am Memorial der Toten. Dieser Tag der Befreiung, das spürte man, war nicht nur Tradition, sondern eine innere Überzeugung des Wunsches nach Frieden.

Über die Pont de Normandie, sie ist eine Schrägseilbrücke, die mit 856 m die größte Spannweite in Europa besitzt, ging es in ruhiger Fahrt nach Caen. Die Sonne tat ihr übriges, dass der Tag ein Erfolg wurde. Die Stadt war durch die Kämpfe nach dem D-Day fast vollständig zerstört. Sie versprüht nunmehr wieder einen wunderbaren Charme. Mit einer tollen Tour über viele kleine Dörfer ging es zurück nach Gonfreville. Ein tolles Abendesse direkt am Atlantik fast mit den Füßen im Wasser (so der Name des Restaurants) beendete dieses wunderbare, aber auch anstrengende Abenteuer in der Normandie.

Ein ganz herzliches Dankeschön an die französischen Gastgeber und auch an die kleine Teltower Besucherdelegation. Eins steht jetzt schon fest, es wird wohl nicht der letzte Besuch im Norden Frankreichs sein.

Reinhard Frank

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