Interview mit dem Vorsitzenden von Teltow ohne Grenzen und Ex-Bürgermeister Thomas Schmidt im Ahlener Tageblatt „Die Glocke“.



Ahlen (at) Die 1991 besiegelte Städtepartnerschaft mit Teltow wird in diesem Jahr 35 Jahre alt. Das nimmt die Redaktion zum Anlass, den langjährigen Bürgermeister der Stadt Teltow, Thomas Schmidt, nach dem Stand der Beziehungen zu fragen. Schmidt war von 2002 bis 2025 Bürgermeister der mit über 25.000 Einwohnern amTeltowkanal gelegenen Stadt, der einwohnerstärksten Kommune im Landkreis Potsdam-Mittelmark (Brandenburg). Als grüne Oase zwischen Berlin und Potsdam ist Teltow ein beliebter Wohnort mit guter Infrastruktur und gleichzeitig ein zentraler Standort für High-Tech-Unternehmen und Forschungszentren.
„Die Glocke“: Herr Schmidt, Sie wurden erstmals 2002 als Bürgermeister der Stadt Teltow gewählt. Der Partnerschaftsvertrag mit Ahlen wurde bereits 1991 abgeschlossen. Wie kam es damals dazu, dass sich die beiden Städte gefunden haben?
Schmidt: Die Städtepartnerschaft zwischen Ahlen und Teltow hat ihre Wurzeln zunächst in der sehr engen Beziehung zwischen unseren Bundesländern – also NRW und Brandenburg! Die damaligen Bürgermeister Jaunich (Ahlen) und Groth (Teltow) lernten sich kennen und schätzen. Was folgte war ein reger Austausch auf Augenhöhe.
„Die Glocke“: War das Aufeinanderzugehen schwierig nach 40 Jahren der Trennung?
Schmidt: Das aufeinander Zugehen war aus dem Grunde nicht schwierig, weil insbesondere Horst Jaunich es verstanden hat, nicht belehrend auf uns Teltower einzugehen und dennoch zuzuhören! Ich denke heute, dass es auch seine Biographie war, die ihm das Miteinander leicht gemacht hat.
„Die Glocke“: Wann waren Sie das erste Mal in Ahlen?
Schmidt: Mein erster Besuch in Ahlen datiert aus dem Jahr 1991, damals noch als Beigeordneter in der Stadt Teltow! Zuständig für Bildung, Kultur, Sport und Soziales war es mir von Anbeginn wichtig, diese Themen eng miteinander abzustimmen. Ansprechpartner damals in Ahlen Herr Schmidt – Casdorf.
„Die Glocke“: Wie Sie kürzlich in Ihrer Rede in der Gedenkfeier für Horst Jaunich ausgeführt haben, hatten Sie eine enge Verbindung zu ihm. Wie wichtig war Horst Jaunich für den Ausbau der Partnerschaft und für Sie persönlich?
Schmidt: Horst Jaunich war in meinen Augen eine herausragende Persönlichkeit mit Empathie und Weitsicht! Für die kommunale Beziehung war er ohne jeden Zweifel der Motor und ein Glücksfall. Er setzte uns in Teltow nicht seinen Hut auf, sondern er nahm uns an die Hand um Demokratie erlebbar zu machen.
„Die Glocke“: Sie engagieren sich nach Ihrem Ausscheiden aus dem Amt als Bürgermeister weiter für die Partnerschaft. Welche Ziele haben Sie sich für Ihr Engagement gesetzt?
Schmidt: Ich habe die große Ehre, dem Teltower Städtepartnerschaftsverein „Teltow ohne Grenzen“ vorstehen zu dürfen. Mir sind die partnerschaftlichen Beziehungen sehr wichtig und darum habe ich nicht einen Moment gezögert, als die Frage nach dem Vereinsvorsitz aufkam. Die sogenannte Städtediplomatie ist ein Gebot der Stunde! Die Menschen einer Stadt machen die Stadt aus, nicht ausschließlich die Politik! Wenn es uns gelingt, Bürgerinnen und Bürger zusammen zu bringen, dann wird sich ein solcher Austausch auch auf den sozialen Frieden unserer Städte positiv auswirken.
„Die Glocke“: Die aktuellen Wahlergebnisse in den östlichen Bundesländern geben Anlass zur Sorge. Driften Ost- und Westdeutschland wieder auseinander? Ist die Deutsche Einheit sogar misslungen, wie ein Titel des Buches von Paula Fürstenberg „Niewiedereinheit“ nahelegen könnte?
Schmidt: Die Politik muss sich verändern, nicht die WählerInnen! Die erstarkten Ränder sind keine Randgruppen mehr, sie sind ein Spiegelbild der realen Welt! Insofern spreche ich hier auch nicht von einem „Ostproblem“. Im Zuge der Wiedervereinigung sind Fehler gemacht worden, die nun zu einem neuen Generationskonflikt führen. Ein ganz eklatanter Fehler war in meinen Augen die Rolle der Treuhand während der Wirtschafts – und Währungsunion! Man hat vielen zehntausend Menschen die Identität genommen! Ein Generationskonflikt mit Ansage! Wenn wir die Demokratie nicht scheitern sehen wollen, müssen wir den WählerInnen glaubhafte Politik vorleben! Und wir müssen erklären, warum einfache Lösungen nicht zu unserem politischen Alltag gehören! Vergessen wir nicht unsere Geschichte….vieles von dem heute zu Sehenden passiert nicht zum ersten Mal! Da reicht es auch meistens, die Geschichte der eigenen Stadt näher zu betrachten! Horst Jaunich hätte noch heute vieles zu erzählen gehabt, aus eigenem Erleben!